DaybyDay ISSN 1860-2967
1.3.2012 <<   2.3.2012   >> 3.3.2012
Übersicht

No Show: Mobile World Congress

Der mobile world congress vom 27.02. bis 01.03.2012 in Barcelona bietet die Conference, die Exhibition, den App Planet und einen Einblick in mPowered Brands ... und wird dennoch in diesem Jahr nicht besucht werden können. Und das, obwohl sich der Veranstalter dazu entschieden hat, Barcelona als den Sieger im Wettbewerb mit konkurrierenden Standorten, darunter auch München, auszurufen.

 ©all rights reserved

Aber das Thema des Mobile Payment ist nach wie vor von so grosser Bedeutung, dass es mehr denn je gerechtfertigt war, im Zusammenhang mit diesen Themen schon vor Jahren eine eigene Firma gegründet zu haben. [1]

Heute aber ist es anders: denn jetzt sollte auch dem Letzten klar geworden sein, dass weder in der Internet- noch in der Welt der Mobilität etwas free-of-charge zu haben sein wird.

Wie weit dieser Markt inzwischen ist, ist in Barcelona an allen Ecken und Enden zu spüren. Und das nicht mehr "nur" bei den Geräteherstellern, den Providern und den Banken, sondern bei jenen Plattformbetreibern, die in der Lage sein werden, all diese Segmente miteinander in ihrer Interdependenz zum Wirken zu bringen.

"The most intriguing may be a partnership with global wireless carriers — including AT&T, T-Mobile and Verizon in the U.S. — to streamline mobile purchases for webapps using Facebook’s login and payment platforms" - schreibt Tim Camrody in der Online-Ausgabe von WIRED vom 27. Februar 2012, 17.23 Uhr. Und er fährt fort:

"In this agreement, Facebook would be the intermediary between its web developer and wireless carrier partners. Customers purchasing goods through web apps equipped with Facebook’s Pay Dialog wouldn’t have to prepurchase Facebook credits; instead, they’d be billed by their wireless providers. Developers would deal with Facebook; Facebook would deal with the carriers — with its Payments and Credits platform translating between the two on the transaction."

Als Quelle dient ihm dabei ein Blogeintragvon Doug Purdy, Director of Developer Relations, der für die Zusammenabeit zum Thema streamlined billing die folgenden Operator konkret benennt: AT&T, Deutsche Telekom, Orange, Telefónica, T-Mobile USA, Verizon, Vodafone, KDDI, SOFTBANK MOBILE Corp. und erklärt:
"We’re working with operators around the world to minimize the number of steps needed to complete a transaction in mobile web apps, which will make it easier for hundreds of millions of people worldwide to purchase apps on their device via operator billing. This will be automatically enabled where carriers support it when you integrate the Pay Dialog into your app."

Für diesen Pay Dialog Topic gibt es auf der facebook DEVELOPERS-Seite bereits eine sehr konkrete Ausführung samt Programmierungsanleitungen.

Es ist an dieser Stelle auch klar und deutlich zu sagen, dass sich der hier dargestellte Ansatz der Erprobung des Pay Dialog im Verlauf seines TrialPay genannten Modellversuchs zunächst nur auf digitale Güter bezieht, wie sie zum Beispiel im Zusammenhang mit und für Spiele erworben werden - und eine virtuelle Währung.

 ©all rights reserved

Tim Carmody aber ist in Barcelona und stellt jene Fragen, die der Autor auch gestellt hätte: ob dieses Geschäft mit den virtuellen Gütern nicht der Testmarkt für eine sehr viel weitergehende Monetarisierungsstrategie sei?

Die Antwort, die er von einem - namentlich nicht genannten - facebook-Sprecher bekommen haben soll, lautet wie folgt:

"Mobile payments are important for the entire mobile ecosystem but monetization options are limited. Facebook and operators see an opportunity to make them better.

This new operator billing process simplifies the purchasing process for consumers and expands pricing options for developers."

Und er schlussfolgert:

"In short, Facebook is developing a mobile payments system that, while limited, could blossom into a powerful, cross-device, inherently social mobile shopping platform, giving it access to real-world revenue and shopping data that would make Google blush. Then cringe. Then probably get really mad."

Anders gesagt: die zukünftigen Kapitaleigner von facebook - alle grossen US-Banken haben inzwischen die IPO-Papiere unterschrieben - machen damit eine zweite Front auf: In Zukunft werden nicht nur die Rechte an all jenen Inhalten verwertet werden können, die die Nutzer - oft unwissentlich - diesem Konsortium durch ihre Teilnahme übereignet haben. In Zukunft wird auch der Geldmarkt selbst zum Gegenstand der Wertschöpfung werden. Und das nicht nur durch den Börsengang, sondern durch die Organisation der Transition und Transmission von Geld- und Kapitalwerten.

[1] Klar, dass - eben deshalb - dieses Thema in dieser Publikation eher selten aufgegriffen wurde.


4715 Zeichen