Revisiting Democracy (D)

VON Dr. Wolf SiegertZUM Freitag Letzte Bearbeitung: vor 11 Minutenzum Post-Scriptum

 

0.

In dem nachfolgenden Text geht es um die Entwicklung einer Antwort auf die erneute VATMH-Fellowhip-Ausschreibung-Ausschreibung, gerichtet an

"Intellektuelle beziehungsweise Persönlichkeiten, die sich in ihren Vorhaben mit grundlegenden Fragen unserer Zeit beschäftigen, die auf beiden Seiten des Atlantiks von Relevanz sind."

Weiter heiss es darin:

Von den Fellows wird erwartet, dass sie auf Basis eigener Themen und Fragestellungen aktiv und intensiv den intellektuellen Austausch in und mit den USA aufnehmen und sich mit Partnern und Institutionen in den USA vernetzen.

Dass und wie dieses möglich ist, wird in den nachfolgenden umfangreichen Ausführungen ausgearbeitet und als Vorschlag eingereicht werden [2] [3].

Hier in diesem Abstract vorab, was in den nachfolgenden Punkten im Detail ausgeführt werden wird:

Auf den Spuren von Thomas und Frido Mann durch Amerika – auf der Suche nach dem Wesen der Demokratie. Nicht in den großen Städten der Ost- und Westküste, sondern an den Orten mitten im Land, wo die Werte dieser Gesellschaftsform erst wiedergefunden werden müssen, in sicher nicht einfachen Diskussionen. Als Easyrider auf dem Motorrad unterwegs, nahbar für Begegnungen, begleitet von der Kamera, was zu vielfältiger medialer Auswertung führen wird, vom Reise-Blog bis zur Dokumentation. Geplant und ausgewertet als Fellow im Thomas Mann House in Pacific Palisades.

Dies ist die Antwort auf die im Ausschreibungs-Profil so formulierte Anforderung:

Ein Thomas Mann Fellowship schließt die Bereitschaft ein, innerhalb der USA zu reisen, um neue Gesprächspartner, insbesondere auch jenseits der Metropolen, zu erschließen und mit ihnen in Dialog zu treten.

1.

Angeregt durch das an diesem Tag nochmals dokumentierte Gespräch mit Klaus-Dieter Lehmann im Deutschlandfunk Kultur kam es zu einem Punkt, an dem nach vielem Hin- und Her-Denken, Konzipieren und Verwerfen, Recherchieren und Diskutieren plötzlich dieser Titel auftaucht: Democracy Revisited. Und Du weisst selber nicht, was dafür nun wirklich den Ausschlag gegeben haben mag: War es dieses Radiointerview... war es dieses Bild auf der VATMH-Webseite... JPEG ... oder dieser Hinweis auf die Springer-Link-Seite, die gerade geöffnet worden war, um dem Stand der eigenen aktuellen Publikation zum Thema Digitale Kompetenz nachzuforschen [4]:
The return of the repressed: populism and democracy revisited.

Nach einer ersten, wenn auch nicht repräsentativen Umfrage kam der Titel - auch in den USA - so gut an, dass dafür bereits erste Online-Adressen (URL’s) reserviert wurden [5]:
Revisiting-Democracy.de [6].

2.

Entstanden ist die Idee zu diesem Titel aus den Begriffen "Visit" und "Re".

Er bezieht sich auf die vielfachen USA-Reisen und Aufenthalte, exemplarisch dokumentiert in diesem Eintrag vom 14. Januar 2019:
A New Years’ Application
sowie auf Begegnungen mit US-Bürgern überall in der Welt, auch hier in Berlin, exemplarisch dafür das am 27. August 2018 mit Jay Rosen in den Räumen des DJV Berlin geführte "Kamingespräch" und seine Folgen:
"First We Take Manhattan... Then We Take Berlin" II.

Und: Er nimmt die Reden des in den USA im Exil lebenden und arbeitenden Thomas Mann auf, der über das Radio [7] zu seinen Landsleuten in Deutschland spricht.

Hier als pars pro toto zwei seiner Reden an die "Deutsche[n] Hörer!"
- vom November 1941:


- vom Januar 1943:

Geografisch weit entfernt von seinen Wurzeln und seiner ersten Leserschaft wandte sich Thomas Mann über das Radio an die „Deutschen Hörer“. In monatlichen Interventionen kommentierte er von 1940 bis 1945 die Ereignisse des Krieges, warnte früh vor dem Holocaust, sprach sehr konkret von den deutschen Gräueltaten, aber auch von dem erhofften zukünftigen Sieg der Alliierten über die Nationalsozialisten: „Hitler-Deutschland hat weder Tradition noch Zukunft“. Aus seinem Untergang werde ein Deutschland entstehen, das Hass überwinde, Hoffnung und Versöhnung wieder möglich mache.

Und stellt sie in Beziehung zu jenen Sätzen, die Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier in diesem Jahr zur Erinnerung an die Bombardierung Dresdens in der Nacht vom 13. auf den 14. Februar 1945 dort an Ort und Stelle sagte:

Deshalb will ich heute deutlich sagen: Wer heute noch die Toten von Dresden gegen die Toten von Auschwitz aufrechnet; wer versucht, deutsches Unrecht kleinzureden; wer wider besseres Wissen historische Fakten verfälscht, dem müssen wir als Demokratinnen und Demokraten die Stirn bieten, dem müssen wir laut und entschieden widersprechen!

Und laut der 20 Uhr ARD tagesschau vom 13. Februar 2020:

3.

Am 4. Mai 2019 sprach Prof. Frido Mann in der Residenz des Deutschen Generalkonsuls in Los Angeles zum Thema: Democracy Will Win. Das Projekt:

Auf den Spuren der Vortragsreisen seines Großvaters wird Frido Mann 2019 an mehr als einem Dutzend Orten in den USA und Kanada Vorträge halten über die gegenwärtige Krise der amerikanischen und der europäischen Demokratien und über die Notwendigkeit, auf der Basis des von der deutschen Bundesregierung initiierten transatlantischen Dialogs für die Erneuerung dieser Demokratien zu werben.

Hier als pars pro toto sein Vortrag, den er im Beisein seiner Frau Christine am 24. Oktober 2019 im German Studies Department von Dartmouth College Hannover NH [8] gehalten hat:

4.

Schaut man sich die von ihm danach besuchten Orte auf der Karte an so liegen von den neun in den USA besuchten Stationen nur zwei in den sogenanten "Flyover States", in Kansas City und Denver.

Dazu nochmals Frido Mann in seinem Bericht über seine Lecture-Tour USA und Kanada [9]:

Sehr viel schwieriger und zum Teil widerständiger verliefen meine Bemühungen in den sogenannten Heartlands des mittleren Westens und der geographischen Mitte. Selbst nach einem erhofften Regierungswechsel 2020 wird man sich auf eine sehr lange Durststrecke bei der Wiederherstellung des bereits über eine lange Periode gestörten Gleichgewichts innerhalb des US-Gesellschaft einstellen müssen.

In dem phoenix plus-Interview vom 8. Oktober 2019 im Hause seines Grossvaters sagt er:

"Ich habe ja auch in den sogenannten Heartlands, wo ich zwei Vorträge gehalten hab’, in Denver und in Kansas City, da bin ich auch auf Menschen gestossen, auch auf Schüler, ich war zweimal in HighSchools gewesen, die ernsthaft sagen, wir müssen die Mauer bauen und es ist gut, dass wir aus den Klimabeschlüssen von Paris ausgestiegen sind... sowas muss ich mir anhören, und da gehe ich auch gar nicht drauf ein. Da hat ja gar keinen Sinn."

Bereits in dem Beitrag DAS THOMAS MANN HOUSE IN PACIFIC PALISADES vom 15. Januar 2020 wurde auf sein 2018 veröffentlichtes Buch Das Weiße Haus des Exils und die darin gleich in der Einleitung niedergelegten Sätze verwiesen:

Dort soll ein von Experten geführter interdisziplinärer Austausch den konflikthaften Polarisierungen zwischen Europa und den USA entgegenwirken und die Fundamente der Demokratie erneuern und festigen. Ein besonderes Gegengewicht soll das Residenzprogramm dieses Hauses wohl auch gegen die gegenwärtige hochproblematische Administration und präsidiale Führung der USA setzen.

In diesem Zusammenhang nochmals der Hinweis auf die 2018 im Harold M. Williams Auditorium im Getty Center durchgeführte Konferenz zum Thema: ’The Struggle for Democracy’.

5.

Ohne schon alle Details benennen zu können, ist hier der Ansatz für das eigene Vorhaben festzumachen. Nach dem Studium und in Kenntnis der von Thomas Mann und seinem Lieblingsenkel Frido Mann gehaltenen Vorträge soll eine eigene Vortragsreise durch die USA durchgeführt werden, die sich in vielem von dem Tun der Familie Mann unterscheidet:
- es werden nicht die Küstenregionen aufgesucht, sondern die "Drive In&Out-States"
- es werden nicht die grossen Häuser und Institutionen ausgesucht, sondern all jene Orte, an denen ein Sieg der Demokratie erst wieder erkämpft werden muss
- in dem eigenen "Vortrag" werden die Sätze und Haltungen aus der Mann-Familie nochmals vorgestellt, in ihrer historischen Bedeutung erläutert und zugleich auf den Prüfstand der aktuellen Verhältnisse vor Ort gestellt
- es wird also viel mehr um einen Dialog gehen als um einen Vortrag, und an vielen Orten wird bereits die Aufgabe darin bestehen, überhaupt eine ausreichende Bereitschaft für ein solches Gespräch auf Augenhöhe herstellen zu können
- die Reise durch das Land wird nicht im Flugzeug erfolgen [10], sondern auf einem Motorrad
- diese Reise wird auf einem zweiten Motorrad von einem Kameramann sowie von einem Crew-Fahrzeug begleitet werden, sodass es möglich sein wird, schon während der Fahrt darüber immer wieder in einem Blog-Format zu berichten
- neben Gesprächen mit einigen der von der VATMH selbst aufgeführten Sponsoren gibt es auch eine Reihe weiterer Kontakte, die mit zu einem Erfolg des Vorhabens beitragen könnten
- nachdem ein grosser deutscher Hersteller an einem solchen Vorhaben Interesse signalisiert hat, werden jetzt auch Gespräche mit einer in Kalifornien angesiedelten Firma geführt, die Motorräder herstellt, die elektrisch angetrieben werden [11]
- Namen sollen noch nicht genannt werden, solange keine Verträge vorliegen, aber schon jetzt kann im Vorfeld die Unterstützung durch die Digital Cinema Society, die National Association of Broadxasters und die Society of Motion Picture & Television Engineers avisiert werden.

6.

Aufgrund der hier genannten Ansätze und Stichpunkte, wie das Ganze gemeint ist, und bei der bisherigen Vorbereitung fand all das zunächst viel Aufmerksamkeit, viele Nachfragen und dann sehr viel Zustimmung und Bereitschaft, dort mitzutun. Und sei es "nur" durch das Verfassen weiterer Empfehlungsschreiben, in Ergänzung zu den bereits bei der Vorjahresbewerbung übermittelten.

Entscheidend aber ist die Frage, wer, wo und warum auf dieser Reise durch die Staaten aufgesucht werden sollte.

6.1.

Die erste Antwort verweist auf eine lange Zusammenarbeit mit einer Einrichtung, die einst National Federation of Local Cable Programmers ( NFLCP) hiess. Selbst ab 1984 verantwortlich für den Aufbau und Betrieb des "Bürgerservice"-Kanals im Kabel-Pilot-Projekt in Ludwigshafen, gab es alsbald schon einen regen Austausch mit zumindest im Ansatz vergleichbaren Projekten, vor allem in Frankreich (ASTEC) und in den USA (NFLCP).

Diese Zusammenarbeit wurde so intensiv, dass sich die Macher aus allen drei Ländern gegenseitig besuchten und dabei auch ihre Programme mitbrachten und zur Diskussion stellten. Und da es nicht schicklich gewesen wäre, dieses auf dem eigenen Kanal in Ludwigshafen zu tun, wurde das Projekt schwerpunktmässig mit dem Offenen Kanal in Berlin durchgeführt.

Diese Acces-Channels waren in den USA wie in Deutschland dafür eingerichtet worden, um auf lokaler Ebene den demokratischen Prozess zu dokumentieren und zu stützen: Von Übertragungen aus den Stadt- und Regionalparlamenten bis hin zu einer ganzen Reihe von Bürgerplattformen und Vereinen unterschiedlichster Provenienz.

Einen Einblick gibt in den USA das seit 1984 als PDF dokumentierte Film- und Video-Magazin THE INDIPENDENT. [12]. Hier als Beispiel dieser Link zur Timeline des Access-Chanels in Tucson, Arizona, US.

Im Jahr 1992 wurde die NFLCP in die Alliance for Community Media (ACM) überführt, as to recognize the scope to be more than “just cable".
Die Organisation ist in fünf Regionen aufgeteilt [13] und alle treffen sich in diesem Jahr in der Zeit vom 30. Juni bis 2. Juli 2020 im Fairmont Chicago Millenium Park, wo die ACM ihren Jahreskongress abhält.

Sollte es bis dahin ein grünes Licht-Signal für die Befürwortung dieses Vorhabens geben, wäre dies der beste Anlass, um vor Ort das Projekt zu präsentieren und mit den Aktiven die möglichen Standorte und Partnerschaften zu fixieren. Dabei bietet sich an, diese Vorschläge wiederum an Standorte zu koppeln, in denen auch Goethe-Institute angesiedelt sind, wie die POP UPs in Houston, Kansas City, Minneapolis.

6.2.

Eine zweite Antwort bezieht ebenfalls Dialog-PartnerInnen aus den USA mit ein, die insgesamt 16 Mitglieder des Advisory Board in Los Angeles [14]

An jede(n) von ihnen würde in einem persönlichen Gespräch - ggf. auch im Rahmen eines Telefoninterviews - die Frage gerichtet werden, welchen Ort in welcher Community und in welchem Staat sie für besonders geeignet hielten, um dort die Frage nach der Zukunft der Demokratie zu stellen und zu diskutieren.

7.

Auch wenn in beiden Szenarien die Ergebnisse erst im Verlauf dieses Jahres besprochen und fixiert werden können, so ist doch aus logistischen, organisatorischen, aber auch finanziellen Gründen ein gewisser Rahmen zu setzen.

Zeitlich wäre für die Vorbreitungen vor Ort die Zeit von Q1 2021 anzusetzen, etwa von der CES- bis zur NAB-Show. Zu beiden Veranstaltern, der CTA, vor allem aber der NAB, gibt es gute Beziehungen, die über viele Jahre, ja Jahrzehnte aufgebaut wurden. Auf der NAB werden darüber hinaus alljährlich mit einer DCS-Filmcrew an den Messetagen jeweils bis zu 50 Messe-Interviews realisiert, vor Ort geschnitten und als Streaming-Angebote ins Netz gestellt, hier der LINK zur NAB 2019 STREAMING COVERAGE.

Sollte es möglich sein, das hier angestrebte Team von mindestens drei Personen, den Antragsteller eingeschlossen, auf die Reise zu schicken, kann bei einer ausreichenden technischen Ausstattung bereits an den besuchten Orten jeweils ein eigener Bericht in Form eines Video-Blogs erstellt werden. In vielen Fällen ergänzt durch die lokale Berichterstattung vor Ort.

Am Ende dieser Reise könnte dann aus all diesem Material sowohl eine Travel-Series als auch eine ganz besondere Variante eines Road-Movies entstehen. Arbeitstitel "Democracy Revisited" [15]

Eine Reise-Zeit von maximal zwei Monaten und ein final editing und reporting in LA im letzten Monat - inklusive einer eigenen Veranstaltung im Tomas Mann House mit allen Beteiligten - würde den gesamten Aufenthalt auf maximal 6 Monate begrenzen, wobei der Aufenthalt im House auf die ersten drei und dann noch ggf. auf einen abschliessenden Monat begrenzt werden könnte.

8.

Auch nach der Rückkehr nach Europa ist dieses Projekt nicht beendet. Es werden bereits jetzt eine Reihe von Gesprächen mit interessierten Institutionen, Veranstaltern und Broadcastern geführt [16], um sowohl die Ergebnisse dieses Prozesses als auch die Reise-Erlebnisse selber auf beiden Seiten des Atlantiks zu präsentieren. Und damit weitere Vorhaben dieser Art anzuregen.

In Deutschland würde sich dafür der Oktober des Jahres 2021 eignen, der Monat, in dem die ersten Reden von Thomas Mann noch von einem Sprecher der BBC verlesen wurden [17]. Der nächste Termin wäre im April 2022 zu avisieren, 80 Jahre nach dem Fliegerangriff auf die Heimatstatt Lübeck. Und der dritte wäre zur Wiederholung eben jenes Tages, an dem die letzte der Reden von Thomals Mann ausgestrahlt wurde, der 10. Mai 1945, also: 2022.

9.

Ja, natürlich besteht die Bereitschaft, sich nach dieser Reise einzubringen als eine der "55 Voices for Democracy", so wie sie bis dato schon so beindruckend vorgetragen wurden von:

- Francis Fukuyama
- Timothy Snyder
- Ananya Roy
- Jan Philipp Reemtsma [18]

Aber zugleich bestünde der Wunsch, mit der eigenen Stimme und den heute gebräuchlichen medialen Möglichkeiten auch jene zu Gehör zu bringen, die sich bislang kaum in den "klassischen" Medien des Rundfunks haben vernehmen lassen.

In diesem Zusammenhang sei als pars pro toto hingewiesen auf die am 17. Februar 2020 von Andi Hörmann in der Sendung "Corso" des Deutschlandfunks besprochene Ausstellung
„Radio-Aktivität“ im Lenbachhaus. Individuum und Kollektiv:

Individuum und Kollektiv — „Radio-Aktivität“ im Lenbachhaus

Der Anspruch:

"Sprache nicht als gegeben hinnehmen, sondern neu denken und Formen internationaler Kommunikation schaffen"

10.

All das ist erst der Anfang. Dabei gäbe es noch so viel mehr zu sagen - und zu tun. Jetzt aber erst einmal Sie gefragt: ja, Sie alle: die Mitglieder der Auswahlkommission, die über die Anträgen entscheiden, die pals & fellows, aber auch weiterhin Sie, die LeserInnen und Leser, ohne deren Ansporn, Zuspruch [quote], aber auch Kritik (Dank besonders dafür) all dies hier bis dato nicht zustande gekommen wäre.

Rückmeldungen weiterhin gerne: HIER

P.S.

Hier nochmals - statt einer Literatur-/Medien-Liste - einige aktuelle Lektürehinweise, die diesen Entwurf mit geprägt haben [19]:

- Henrik Enroth:
The return of the repressed: populism and democracy revisited

- Mike Friedrichsen (u.a.):
Digitale Souveränität. Vertrauen in der Netzwerkgesellschaft

- Jodi Halpern:
Ethics of Innovative Technology

- Frido Mann:
Das Weiße Haus des Exils

- Michael Moon:
DAM for marketing operations
"Native to Silicon Valley, GISTICS began in 1987 making the world a better place to live, play, work, and learn with technology."

- Andreas Platthaus:
Auf den Palisaden. Amerikanisches Tagebuch

- Marietje Schaake:
Digitalization & Responsibility, Disruption & Trust:

- Lily Tinoco: New Era for Thomas Mann House

- Siegfried Zielinski:
[... nach den Medien]. Nachrichten vom ausgehenden zwanzigsten Jahrhundert

Anmerkungen

[1die zwei in fett gesetzten Autorennamen sind die der Gutachter aus dem im Vorjahr eingereichten Antrag, deren Wertigkeit und Gültigkeit nach wie vor erhalten bleibt

[2Auch wenn zu diesem Zeitpunkt die inzwischen angesprochenen Gutachter ihre Anschreiben noch nicht fertiggestellt haben werden.

Hier eines der Beispiele für ein Anschreiben an eine von jenen aus langjährigen Kontakten bekannten "Persönlichkeiten des Öffentlichen Lebens" mit der Bitte um eine Interessensbekundung:

Verehrter, lieber [...]

vielen Dank für Ihren Anruf.

Seit der New York-Idee (und seitdem ich zuletzt in Studio City in LA im Auftrag der SMPT und der Filmstudios für die Digitalisierung der Filmdistribution und danach von der NAB für die Weiterentwicklung ihrer Show in Las Vegas engagiert war) ist der Wunsch nicht versiegt, nochmals in eigener und zugleich für uns Alle so wichtigen Sache in die USA zurückzukehren.

Motiviert durch Ihr Interview auf Deutschlandradio Kultur hatte ich mich bei Ihnen gemeldet und danach einen Plan entworfen, der vielleicht nicht mit allen herkömmlichen Gepflogenheiten eines Fellow-Antrages für das Thomas-Mann House konform gehen mag, und doch meiner Meinung nach den Kern des Ganzen trifft:

In den ersten drei Monaten 2021 möchte ich von dort aus den bereits ausgereiften Plan einer Reise durch die USA finalisieren, die mich und mein Team dann ab April eben nicht nur an jene Orte bringt, wo ich von vornherein gerne von Gleichgesinnten empfangen werde, sondern auch dorthin, wo Widerspruch, Gegenwind, eine andere Haltung und Kultur zu erwarten sein wird.

Das Ganze nicht mit Flieger und Chauffeur, sondern auf einem (elektrischen in Kalifornien gebauten) Motorrad und mit einem Foto-/Filmteam…

[...]

Sollten Sie diese Meinung nicht mir teilen können, auch das, lassen Sie es mich bitte wissen.

Wenn Sie diesem Ansatz zustimmen könnten, würde ich mich über eine nachwirkende Unterstützung freuen.

Soweit das Wichtigste in Kürze von Ihrem

Wolf Siegert

[3Der mit diesem Anschreiben übermittelte nachfolgende Text wurde erstmals zu Beginn des Monats Februar 2020 verfasst. Zuvor wurden dazu u.a. bereits diese Texte veröffentlicht:
- am 21. Dezember 2019: VA - TMH : auf zur nächsten Runde
- am 15. Januar 2020: DAS THOMAS MANN HOUSE IN PACIFIC PALISADES .
Angeregt durch die Bewerbungsfrist erschien zu diesem Zeitpunkt bereits ein weiterer Eintrag
- am 29. Februar 2020: Preview: Ein Schaltjahr-Film und -Glückwunsch im Jahr der Maus.

[4Siehe dazu auch den Beitrag "Digitale Souveränität?" aus dem Jahr 2016, ebd.

[5... und ab dem 1. März 2020 freigeschaltet sein sollten.

[6Sowie für die Zeit danach die URL: Democracy-Revisited.de

[7an dem Tag, als dieser Text in der ersten Fassung entsteht, ist "Welt-Tag des Radios".

[8Frido Mann:

"Eine wohltuende, wenn nicht sogar hoffnungsvolle Enklave in diesem angstgetriebenen und tief verunsicherten Land"

.

[9Hier das Interview von Philipp Burgard vom 8. Oktober 2019 über seine Vergangenheit in diesem Haus und die Erfahrungen von seiner Lecture Tour:

[10Auch wenn der Autor bis NineEleven mit seinem Flugschein auch in den USA hat (mit)fliegen dürfen...

[11Die Gespräche sind soweit fortgeschritten, dass wir für die USA und für Deutschland diese beiden URL’s gebucht haben: easyerider.com und uneasyrider.de

[12Auch zum Bürgerservice-Projekt gibt es auf Anfrage noch Ton- und Video-Dokumente, eine eigens herausgegebene LP und ein Buch. WS.

[13- ACM NorthEast Region (New York, Vermont, New Hampshire, Maine, Massachusetts, Connecticut, Rhode Island)
- ACM Western Region (Arizona, California, Colorado, Hawaii, New Mexico and Nevada.)
- ACM Central States Region (Kentucky, Indiana, Michigan, Ohio)
- ACM Northwest Region (Alaska, Alberta, British Columbia, Idaho, Montana, Oregon, Utah, Washington, and Wyoming)
- ACM MidWest Region (Illinois, Iowa, Kansas, Minnesota, Missouri, Nebraska, North Dakota, South Dakota, Wisconsin)

[14

Steven D. Lavine | Vorsitzender des Advisory Board, ehem. Präsident von Calarts

Helmut Anheier | German-American Professor at the Max Weber Institute of Sociology at Heidelberg University, Academic Director of the Center for Social Investment and Innovation

Jose Luis Blondet | LACMA Curator for Special Projects

Craig Calhoun | University Professor of Social Science at Arizona State University, joint appointments in the School of Politics and Global Studies, the School of Public Affairs, the School for the Future of Innovation in Society, the School of Sustainability, and the School of Arts, Media and Engineering

Manuel Castells | University Professor and the Wallis Annenberg Chair of Communications, Technology and Society at the University of Southern California, Director of Research for the Department of Sociology at the University of Cambridge

Kimberly Emerson | lawyer, civic leader, and human rights advocate, member of the Board of Governors of Bard College in Berlin and member on the Advisory Boards of the United Way in Germany and KCRW in Berlin

Josh Kun | Professor of Communication and Journalism, Director of the School of Communications and Chair of Cross Cultural Communication in the Annenberg School at the University of Southern California, and joint appointment in the Department of American Studies and Ethnicity

Alexandra Lieben | Deputy Director of the Burkle Center for International Relations at the University of California - Los Angeles

Tom Lutz | Professor in the Department of Creative Writing at the University of California-Riverside and Founder and Editor-in-Chief of the Los Angeles Review of Books

Robin Mieli | Director for International Programs and Senior Analyst at the Rand Corporation

Laure Murat | Professor in the Department of French and Francophone Studies at the University of California - Los Angeles

Dawn Nakagawa | Executive Vice President of the Berggruen Institute and co-Director of the Future of Democracy program

Alex Ross | music critic and staff writer for the New Yorker

Ananya Roy | Professor of Urban Planning, Social Welfare and Geography and Meyer and Renee Luskin Chair in Inequality and Democracy at the Luskin School of Public Affairs at the University of California - Los Angeles

Derek Shearer | Director of the McKinnon Center for Global Affairs and Chevalier Professor of Diplomacy and World Affairs at Occidental College in Los Angeles

Marcelo Suarez-Orozco | Wasserman Dean and Distinguished Professor of Education at the Graduate School of Education and Information Studies at the University of California - Los Angeles

[15In Anlehnung an den am 12. November 2015 in Berlin vorgestellten Film: "DEMOCRACY-Rendezvous in der Urania".

[16Aber es wird Verständnis dafür geben, wenn sie zu diesem Zeitpunkt und an dieser Stelle noch nicht namentlich genannt werden.

[17Siehe dazu den Beitrag von Daniel Kaiser vom 8. Oktober 2010 im Norddeutschen Rundfunk (NdR): "Thomas Manns erste BBC-Rede" [[

Im Oktober 1940 griff Thomas Mann in den Zweiten Weltkrieg ein. Aus seinem amerikanischen Exil begann der Literaturnobelpreisträger seine berühmten Radioansprachen über die britische BBC.

Es rauscht und piept. Aber die Botschaft ist klar und deutlich. "Die Hölle, Deutsche, kam über Euch, als diese Führer über Euch kamen. Zur Hölle mit Ihnen und all Ihren Spießgesellen." Es ist die Stimme Thomas Manns aus der Freiheit. Emotional und pathetisch - so streitet er mit den Nazis. Es waren etwa 60 kurze Reden, die immer mit derselben Anrede begannen. "Deutsche Hörer!". Dem bellenden, keifenden Diktator antwortet im Radio die Stimme der Vernunft. Für Thomas Mann sind die Nazis "Verderber des Volks" und "die Diktatur des Gesindels". Hitler nennt er einen "blutigen Komödianten".

Doch anfangs läuft es für Hitler gut. Der Blitzkrieg beschert den Deutschen Erfolge im Osten und im Westen. Thomas Mann hat es da schwer. "Werdet ihr mir glauben, wenn ich Euch versichere, dass diese Siege - sofern man sie so nennen kann - genauso so hohl, sinn- und hoffnungslos sind wie die früheren. Es gibt keinen Nazi-Sieg. Alles, was so aussieht, ist blutiger Unsinn, ist im Voraus annulliert."

Mann suggeriert Kollektivschuld der Deutschen

Thomas Mann, der nach der Machtübernahme der Nazis zuerst nach Frankreich, in die Schweiz und dann in die USA ging, konfrontiert die Deutschen mit Kriegsverbrechen, mit Judenverfolgung, Menschenexperimenten und Euthanasie. "Das Unaussprechliche, das in Russland, das mit den Polen und Juden geschehen ist und geschieht, wisst Ihr, wollt es aber lieber nicht wissen aus berechtigtem Grauen vor dem ebenfalls unaussprechlichen, dem ins Riesenhafte heranwachsenden Hass, der eines Tages über Euren Köpfen zusammenschlagen muss." Manchmal suggeriert Mann eine Kollektivschuld der Deutschen, was nach dem Krieg für heftige Diskussionen sorgen wird. Immer wieder nimmt er aber auch Bezug auf aktuelle Entwicklungen - wie im April 1942. Kurz zuvor war Lübeck angegriffen worden - als Vergeltung für die Zerstörung Coventrys. "Das geht mich an", sagt Mann. "Es ist meine Vaterstadt. Und lieb ist es mir nicht zu denken, dass die Marienkirche oder das historische Rathaus sollten Schaden genommen haben. Aber ich denke an Coventry und habe nichts einzuwenden gegen die Lehre, dass alles bezahlt werden muss."

Die Texte der ersten vier Sendungen wurden noch von einem Sprecher in London verlesen. Der Wirkung wegen sollte Mann aber selbst zu hören sein. Schallplatten mit seiner Stimme wurden aufwändig mit dem Flugzeug nach New York geschafft, von dort per Telefon nach London überspielt und dann von der BBC ausgestrahlt. Das Pausensignal der BBC klingt wie ein bedrohliches Klopfen an die Tür der Deutschen: Es ist das Morsezeichen für V wie Victory - Sieg.

"Die Rückkehr Deutschlands zur Menschlichkeit"

Es war eine gefährliche Botschaft. Das Abhören von Feindsendern war strengstens verboten - es wurden sogar Todesstrafen verhängt. Und doch wurde Thomas Mann gehört. Das belegten chiffrierte Rückmeldungen aus Deutschland. Auch die Studenten der "Weißen Rose" Hans Scholl und Alexander Schmorell lauschten Thomas Manns Worten. Manns Texte beeinflussten die Flugblätter und Handlungen der "Weißen Rose". Seine Reden waren für manche Deutsche eine moralische Stütze. "Einst sammelte ein Herder liebevoll die Volkslieder der Nation. Das war Deutschland in seiner Güte und Größe. Heute weiß es nichts als Völker- und Massenmord", erinnerte Mann an das friedliche Potenzial Deutschlands. Die letzte Radioansprache erfolgte am 10. Mai 1945: Der Krieg in Europa ist zu Ende. Bei Thomas Mann mischt sich in die Freude über den Sieg auch Trauer. Wie bitter ist es, sagt er, wenn der Jubel der Welt der Niederlage, der tiefsten Demütigung des eigenen Landes gilt! "Ich sage, es ist trotz allem eine große Stunde: Die Rückkehr Deutschlands zur Menschlichkeit."

[18Es ist interessant, diesen Vortrag in Bezug zu setzen zu den Aussagen, die Jan Philipp Reemtsma am 19. Februar 2020 in der Sendung Fazit auf Deutschlandfunk Kultur im Gespräch mit Vladimir Balzer zu den Wahlen des Ministerpräsidenten in Thüringen machte: „Nicht von schlechtem Benehmen anstecken lassen“

Thüringer Krise der Demokratie: Keine Chance mehr für die Vernunft?

[quote[...] Das hast du ganz toll hingekriegt, lieber Wolf, ich bin beeindruckt. Auch von der medialen Form, in der du natuerlich Pionier bist. Das leichte Springen und Gleiten zwischen sehr heterogenen Text-, Ton- und Bildformen gelingt dir hervorragend und ohne den geringsten Substanzverlust.

[...] toll, sehr, sehr spannend! Ich verbinde gleich Hoffnungen damit - es ist einer meiner Herzenswünsche, über Demokratie zu reden, und nicht unbedingt beschränkt auf das, was wir davon im Westen tatsächlich haben.

Grossartig!!!

[19die zwei in fett gesetzten Autorennamen sind die der Gutachter aus dem im Vorjahr eingereichten Antrag, deren Wertigkeit und Gültigkeit nach wie vor erhalten bleibt


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