So jung kommen wir nie wieder zusammen...

VON Dr. Wolf SiegertZUM Freitag Letzte Bearbeitung: 21. September 2019 um 14 Uhr 15 Minuten

 

0.

Es gibt Tage, für die auch die noch so guten und bewährten Regeln eine Ausnahme zulassen. Und dies ist ein solcher Tag.

Denn an diesem geht es in der Nachfolge der Ereignisse vom 19. September 2014und 2019 darum, sich erneut mit Freunden und Weggefährten [1] zu treffen.

1.

Es gab viele Anfragen und Anregungen, nachdem die ganztägige Veranstaltung zum Thema "Werte in der digitalen Welt" ein solch unerwartet grosses und weit über den Tag dieser Begegnung hinausreichendes und hinausweisendes Echo gefunden hat.

Dieses "damals" angesprochene Thema hat inzwischen in immer mehr Gesprächskreisen und Entscheidergremien seinen Platz gefunden. Und wird auch von dem Gastgeber bis heute immer wieder aufgegriffen und vorangetrieben.

Das geschieht schon seit langem im Rahmen einer "Feldforschung" zur Frage: "Was kommt nach der Digitalisierung" bis hin zu einer Reihe von Vorlesungen, Vorträgen und Keynotes auf Einladung von Hochschulen, öffentlichen wie privaten Einrichtungen und neuerdings auch von Agenturen.

2.

Inzwischen kam es aber zu Begegnungen, die dazu geführt haben, für dieses Jahr das Setting dieser hier vorgeschlagenen Veranstaltung neu zu denken. Sie hatten allesamt mit Jubiläen zu tun - in deren Folge auch immer wieder nach vorne geschaut wurde: Ausgehend an das Gedenken an 70 Jahre Deutscher Journalistenverband Berlin und dessen ersten Vorsitzenden Paul Loebe bis hin zu den Feiern zur Verkündung des Grundgesetzes vor 70 Jahren. Vom Fest aus Anlass von 25 Jahren Deutschlandradio bis hin zum eigenen siebzigjährigen Geburtstag.

3.

Schon mit der Veranstaltung vom 19. September 2014 wurde der Versuch unternommen, die eigene Lebensgeschichte in einem grösseren persönlichen Rahmen einzuordnen und diesen wiederum in einen grösseren zeithistorischen Zusammenhang zu stellen.

Im eigenen Fall geschah und geschieht dieses dadurch, dass die noch junge Entwicklungsgeschichte der Digitalisierung in den Zusammenhang mit dem eigenen Ein-Wirken in Bezug auf diese Geschichte gesehen und gesagt wird: Dass wir die erste Generation sind, die - anders als bei den vorangegangenen Technologiesprüngen - noch zu Lebzeiten in der Verantwortung dessen steht, was sie selbst mit auf den Weg gebracht hat.

Dieser Satz hat zu viel Nachdenken und Zustimmung geführt und die Aufmerksamkeit auf das, was es zu Sagen und zu Tun gilt, erheblich verstärkt.

Er hat aber auch dazu geführt, dass inzwischen mehr und mehr das Persönliche zu einem gesellschaftlichen Ereignis werden kann - und das soll im Verlauf des heutigen Abends etwas genauer analysiert und praktiziert werden.

4.

An den Schluss der eigenen inzwischen online gestellten Bio ist eine immer länger werdende Aufreihung von Fotos von Menschen zu finden, deren Darstellung mit diesen Sätzen eingeführt wird:

Es mag ungewöhnlich sein, sich auf dieser Seite nicht nur selbst zu präsentieren, sondern auch die Namen verstorbener Wegbegleiter aufzurufen. Aber all die hier Genannten haben mit dazu beigetragen, dass Wolf Siegert der ist, zu dem er geworden ist.

Am heutigen Abend wollen wir diese Sichtweise umdrehen: Heute mögen jene Menschen zu Wort kommen, in deren Gegenwart der Gastgeber noch als ein "Jungsporn" gelten mag, obwohl sie sich alle schon seit vielen Jahren kennen.

Hier seien an dieser Stelle als pars pro toto diese drei WunschkanditatInnen genannt [2]:

- die Bühnenverlegerin Maria Müller-Sommer

- der Bürgermeister der Stadt Bremen a.D. Hennig Scherf (SPD)

- der Bundesminister für Post und Telekommunikation und Hohe Repräsentant für Bosnien und Herzegowina a.D. Prof. Christian Schwarz Schilling (CDU)

5.

Welche jeweils auch engen persönlichen Verbindungen zu diesen hier genannten Persönlichkeiten bestehen, das zur Darstellung zu bringen, wird der auf der Bühne moderierten Begegnung an diesem Tage vorbehalten bleiben.

Wichtiger noch als dieser persönliche Kontext und Konnex ist aber die Frage, was das jeweilige Engagement dieser Persönlichkeiten über ihre jeweilige Lebensgeschichte hinaus bewirken möge.

Dieser Dialog soll unter dem Titel:

ÜberLebensGeschichten
So jung kommen wir nie wieder zusammen.

also weniger von vorweggenommenen Nachrufen, sondern vielmehr von vorsichtig ausgeloteten Vorhersehungen bestimmt werden, in denen die jeweilige Verantwortung in den Feldern der Kunst, der Politik und der Wirtschaft ausgelotet und zur Sprache gebracht werden wird.

WS.

Anmerkungen

[1Frauen sind in Formulierungen wie diesen immer mit gedacht und mit gemeint ;-)

[2Alle drei hier genannten Personen haben promoviert: Maria 1945 "mit einer Arbeit zur Zensur im Berliner Theaterleben", Henning 1968 promovierte "mit einem Thema zur Präzisierung des § 73 BSHG" (Bundessozialhilfegesetz) und Christian 1956 "mit der Arbeit Der Friede von Shan-Yüan 1005 n. Chr. und seine Auswirkungen auf die Beziehungen zwischen dem Chinesischen Reich und dem Liao-Reich der Kitan"


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