HS030 Design Thinking (Follow-up)

VON Dr. Wolf SiegertZUM Freitag Letzte Bearbeitung: 15. Juli 2019 um 17 Uhr 35 Minutenzum Post-Scriptum

 

Es mag ungewöhnlich sein, im Nachgang zu der von den Studierenden zuvor erbetenen und inzwischen online durchgeführten Evaluierung des Kurses auch selbst nochmals auf das Geschehen zurückzublicken.

Aber die besonderen Voraussetzungen erlauben dies.

Beginnend mit den bereits in der Einleitung zum ersten Tag festgestellten positiven Umständen von der Ausstattung des Raumes bis hin zur überschaubaren Grösse der Studierenden - bis hin zu den Studierenden selber: Eine ungefähr zu gleichen Teilen besetzte Gruppe von Frauen und Männern die sich durch ihre durchgehenden regelmässige Teilnahme und ihre Neugier auf das Thema auszeichnete.

Diese Kontinuität erlaubte es, erstmals in einem so komprimierten Zeitrahmen von gerade mal zwei Wochen das Thema "Design Thinking" wie eine "Speed-Dinking"-Projekt durchzuführen. Und dabei dennoch nicht den traditionellen Rahmen einer solchen Lehrveranstaltung vollends zu sprengen.

Dabei ist es der Hochschule zu Gute zu halten, dass sie solch einen Versuch - einige sagen sogar dazu "Experiment" - zulässt. In den Einträgen aus der ersten Woche geht hervor, wie wir uns an das Thema "im Allgemeinen" und danach an dessen Bedeutung jeweils "im Besonderen" herangetastet haben. Und das Ganze jeweils begleitet durch die Nachfrage nach den persönlichen Interessen und Erwartungen, die an dieses Thema herangetragen werden.

Dabei spielten - bis zum Schuss - vor allem diese Parameter eine prägende Rolle:

- das Projekt ist so angelegt, dass es möglich ist, trotz der kurzen Zeit und trotz der unmittelbar bevorstehenden Bachelor-Arbeit und trotz weiterer noch parallel verlaufender Veranstaltungen etwas zu lernen, was auch im Nachgang zu dieser Veranstaltung noch an Wert behalten, ja vielleicht sogar noch bei einer zukünftigen erneute Anwendung an Wert gewinnen mag

- die Themenauswahl im Rahmen dieses Projektes sollte so angelegt sein, dass sie immer auch mit etwas Persönlichem beginnt. Und am Ende dieses Prozesses auch wieder bis auf die Person zurückwirkt. Die Erarbeitung der Themen und der diesen zu Grunde liegenden Strukturen und Methoden ist einerseits einem hohen wissenschaftlichen Anspruch verpflichtet und erkennt doch immer wieder und zur gleichen Zeit die persönlichen, ja auch emotionalen Komponenten einer solchen Arbeit an.

In Anerkennung dieser beiden Leitgedanken ergab sich eine deutlich veränderte Didaktik. Weniger Vorlesung und mehr "Verlesung". Mehr Zusammen-Arbeit als Vor- und Nacharbeit. Verstärkte Nutzung von online basieren Angeboten, Tools und Mehrwertdiensten, mehr kollektive als vom Dozenten vorbestimmte Zeitplanung, eine gemeinsame Entscheidung über den Charakter prüfungsrelevanten Leistungen, und, und und...

Für den Dozenten wurden dadurch die Rahmenbedingungen und Themensetzungen deutlich anders. Anstatt das gesamte Füllhorn des eigenen Wissens auszukippen und auf dessen intellektuellen Nachvollzug zu drängen, war das Programm vielmehr für jeden Tag neu zu gestalten - jeweils ausgehend von den Erfahrungen und Ergebnissen des vorangegangenen Tages.

Was konkret bedeutet, dass nicht nur in diesen zwei Wochen von den Studierenden viel abverlangt wurde, sondern sich auch der Studienleiter dieser von ihm selbst so mit ausgestalteten Voraussetzungen zu stellen hatte: Jeden Abend musst für den Folgetag der zur Verfügung stehende Fundes mit Quellenmaterial neu geschichtet werden, in einigen Fällen sogar in nächtlichen Korrespondenzen mit den "colleagues & pals" in den USA neu bedacht werden - um sodann am Folgetag auch in einem jeweils dafür geeigneten methodischen Rahmen neu "in Szene gesetzt" und zur Vermittlung aufgearbeitet werden.

Die vielleicht prägendste Veränderung war die Erlaubnis, im Verlauf der zweiten Woche auch die "Unterrichtszeit" für die Ausarbeitung der jeweils gesetzten Schwerpunkt zu nutzen. Das wurde möglich, nachdem es gelungen war, bereits zum Ende der ersten Woche Schwerpunktthemen zu fixieren und an diese unterschiedlich grosse Arbeitsgruppen anzudocken [1].

Interessant ist, ohne hier schon Bilanz ziehen zu wollen, dass im Verlauf dieser zwei Wochen mehrmals - wenn auch eher so nebenbei - Sätze gesagt wurden, die immer mit einem "Es ist das erste Mal, das..." begannen [2].

Es soll aber auch nicht verschwiegen werden, dass diese Art der Zusammenarbeit aber auch neue Fragestellungen aufwirft, die vor allem in der Frage nach der jeweiligen Zensurenvergabe gipfeln. Auf jeden Fall gilt als vereinbart, dass bei einem entsprechenden qualifizierten Nachweis, innerhalb einer Gruppe keine unterschiedlichen Zensuren vergeben werden sollten. Auf welchem Niveau aber ein solche so stark gruppenzentrierte Arbeit insgesamt in das Wertungsprofil einer solchen Hochschule einzubinden ist, wird noch Gegenstand weiterer Gespräche sein müssen.

Auf jeden Fall gilt als vereinbart, dass der schriftliche Teil der Präsentationen noch nicht am Prüfungstag abgegeben werden muss, wenn im Verlauf dieser Präsentationen die Gruppenarbeit mit den Studierenden Teil dieses jeweiligen Vortrags ist - und danach die Ergebnisse dieses "Dinking"-Prozesses mit den anderen Studierenden noch Einfluss auf die finale Ausfertigung des Schriftlichen hat.

Deshalb wurde der finale Abgabetermin bis auf das Ende der KW 20 ausgedehnt. Wer allerdings bis dahin nicht alles abgeliefert hat, riskiert ein "nicht bestanden".

P.S.

Nach Abschluss der Online-Evaluation des Kurses durch die Studierenden* sowie des gesamten Prüfungsverfahrens kam es zu einer Art von frohgemuter "persönlicher Aussprache" mit den Studierenden in einer kleinen informellen Runde, zu der alle etwas von Gebäck bis Sekt beigesteuert hatten. Am Schluss, kurz vor dem letzten Lebewohl, fällt dann plötzlich dieser Satz, der es dann doch Wert ist, zum Anschluss dieses Kurses aufgezeichnet und wiedergegeben zu werden. Einer der Studierenden sagt: "Wissen Sie, Sie werden uns allen hier - vielleicht gemeinsam mit Herrn Professor K[...] - auch nach dem Examen am meisten von allen in Erinnerung bleiben."
Danke!
WS.

*) Auch das ist noch relativ neu: Die Studierenden tragen ihre Daten und Meinungen nicht mehr auf einem Zettel ein, sondern direkt online in eine EDV-Datenbank. Der Nachteil ist, dass die Darstellung der Ergebnisse alles andere als augenfreundlich ist. Der Vorteil ist, dass sie sofort vorliegen. Hier eine Zusammenstellung aller über die statistischen Daten hinaus eingetragenen Kommentare und Anmerkungen.

Unter der Rubrik: "Für verbesserungswürdig halte ich: ..." gab es keine Einträge.

Unter der Rubrik:"Besonders gut hat mir gefallen: ..." ab es diese Einträge:


- Besonders gut gefallen, hat mir die offene Kommunikation mit dem Dozenten. Er konnte immer sehr gut auf die Fragen eingehen. Zudem war sein Unterricht interessant. Bei der Erarbeitung der Präsentation wurden genaue Richtlinien gegeben der Bewertung, das finde ich sehr gut. Zudem empfand ich die Zusammenfassung auf seinem Blog als sehr hilfreich.Herr Siegert hat es stets geschafft die richtige Balance zwischen Praktiker nähe und Theorie uns näher zu bringen. Ich gehe aus dem Kurs raus, und kann sagen, es war der beste Kurs in meinen 6 Semestern die ich je hatte an der BBW. Vielen Dank!
- Der Freiraum für Kreativität.
- Habe ich einen eloquenteren und erfahreneren Menschen getroffen.

Anmerkungen

[1Im Verlauf dieses Prozesse wurde sogar eine Arbeitsgruppe von 4 Personen zugelassen, nachdem zuvor das Limit auf drei Personen gesetzt worden war. Eine Korrektur, die sich im Rückblick als Vorteilhaft erwies.

[2Etwa: "Es ist das erste Mal, dass wir so persönlich miteinander haben sprechen können." Oder: "Es ist da erst Mal, dass wir ein so intensive Zusammenarbeit in Begleitung eines Hochschullehrers haben entwickeln und pflegen können."


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