Berlinale FORUM: Ausverkauft

VON Dr. Wolf SiegertZUM Samstag Letzte Bearbeitung: 14. Februar 2019 um 18 Uhr 40 Minuten

 

Keine Karten mehr, aber gute Kommentare gibt es für die folgenden FORUM-Filme...

African Mirror
Schweiz 2019, Deutsch/Schweizerdeutsch, Französisch, dokumentarische Form, 84 Min, Weltpremiere von Mischa Hedinger

Gabriele Leidloff vergibt für diese Produktion 4 von 5 Sternen:

In der Schweiz, einem Land ohne eigene Kolonien, prägte René Gardi (1909-2000) als Reiseschriftsteller, Fotograf, Filmemacher und Vortragsreisender das Afrikabild einer ganzen Generation. Aus dem umfangreichen Fundus von Gardis Filmaufnahmen, hauptsächlich aus Kamerun, von Tonbandaufzeichnungen und Texten aus seinen bislang unveröffentlichten Tagebüchern, konstruiert Mischa Hedinger ausschließlich mit Archivmaterial einen Filmessay.

Als unermüdlicher, kritischer Denker und Beobachter stellt René Gardi die Konflikte der afrikanischen Staaten im Schweizer Heimatland zur Diskussion. Seine Filmaufnahmen und Reiseberichte im Fokus Kameruns porträtieren sehenswert die Bevölkerung, die aus einer paradiesischen Realität von der französischen Regierung mit Zuckerbrot und Peitsche in eine produktive Zivilisation gelenkt wird. Es ist dem Regisseur Hedinger mit der Montage gelungen, über das einzigartige Engagement Gardis in den Jahrzehnten des Umbruchs eine mäandernde Problematik gesellschaftlicher Kontexte zu betonen.

Oufsaiyed Elkhortoum (Khartoum Offside)
Sudan/Norwegen/Dänemark 2019, Arabisch, dokumentarische Form, 75 Min, Weltpremiere, von Marwa Zein

Gabriele Leidloff vergibt für diese Produktion 3 von 5 Sternen:

In großer Vertrautheit mit den Akteurinnen erzählt Oufsaiyed Elkhortoum von ihrem Alltag in Khartum, einer Stadt voller Widersprüche und davon, wie Familientraditionen, Politik und Religion sich anmaßen, ihre Lebensentwürfe zu bestimmen. Das Debüt von Marwa Zein ist ein kinematografischer Beweis für die Kraft von Freundschaften unter Frauen und zugleich die gezielte Intervention einer sudanesischen Filmemacherin wider die stereotype Wahrnehmung ihres Landes.

Die selbstbewusst illustre Truppe kämpft schlagfertig und mit Humor für die offizielle Anerkennung ihrer Frauenfußballmannschaft im Sudan, um auch mit dieser die sportlichen Fähigkeiten international zu optimieren. Ironisch amüsant gibt es dabei immer wieder Unterstützung der männlichen Kollegen. Das Team reflektiert das politische Geschehen des geteilten Landes kritisch. Dieser Film zeichnet sich durch eine stilsichere Kameraführung und einen pointierten Schnitt aus. Über die Länge wirkt die Dramaturgie unstrukturiert.

What We Left Unfinished
USA/Afghanistan 2019, Dari, dokumentarische Form, 72 Min, Weltpremiere, von Mariam Ghani

Gabriele Leidloff vergibt für diese Produktion 4 von 5 Sternen:

What We Left Unfinished handelt von fünf unvollendeten Filmen, die zwischen 1978 und 1992 im Wechsel der verschiedenen kommunistischen Regime in Afghanistan entstanden sind. Im Dialog mit den Filmemacher/innen rekonstruiert Mariam Ghani, wie diese trotz Gefahren ihrer Leidenschaft für das Kino nachgingen. Auch wenn es nicht möglich war, einen Film gegen eines der Regime zu produzieren, so entwickelten die Regisseure und Regisseurinnen dennoch Methoden, um weiterhin ihre Filme realisieren zu können.

Im Spiegel der Dekaden fächert diese Dokumentation das Engagement der Filmschaffenden auf, die dynamisch, skeptisch und kreativ mit ihren Werken das Gesellschaftsbild gestalten. Die Regierungen unterstützen und fördern zunächst das Medium Film als politisches Instrument. Zensur vorbehalten. Zwischen dem Säbelrasseln der UdSSR und der Taliban, die Kultur vernichtet, erstarkten die Produktionen. Ihre Akteure fliehen ins Ausland und kehren mit vorsichtiger Neugier vereinzelt zurück. Die geretteten Filmclips bieten sicher im wahrsten Sinne des Wortes genug Zündstoff für die nächsten Generationen sich ihren Themen zu widmen.


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