Berlinale PANORAMA: Ausverkauft

VON Dr. Wolf SiegertZUM Freitag Letzte Bearbeitung: 14. Februar 2019 um 23 Uhr 53 Minuten

 

Es gibt keine Kino.Karten mehr, aber gute Kommentare gibt es für die folgenden PANORAMA-Filme...

Systéme K
Frankreich 2019, Französisch, dokumentarische Form, 94 Min, Weltpremiere
von Renaud Barret

Gabriele Leidloff vergibt für diese Produktion 3 von 5 Sternen:

Der Dokumentarfilmer Renaud Barret zeigt eine Gruppe faszinierender Künstler/innen, die Kunst auf der Straße und für die Straße machen – spektakulär und politisch. Es geht um Ausbeutung, die Privatisierung von Wasser, persönliche und nationale Traumata und immer auch um die Geschichte des Kongo. Barret zeigt Kinshasa, eine Metropole, in der Kunst als unerschwinglicher Luxus gilt, als Standort einer leidenschaftlichen und vitalen Subkultur, die die Stadt als ihre Bühne begreift.

Die Künstler sind widerspenstig und kompromisslos. In einer unerwarteten professionellen Art und Weise gelingt ihnen eine Kommunikation gegen die korrupte kongolesische Regierung, die sie ausschließlich über ihre Performances im öffentlichen Raum provoziert. Die sehr unterschiedlichen kreativen Charaktere nutzen Materialien – ihrem eigenen Lebensentwurf entsprechend – nicht im Hinblick auf Kunstzirkus und Kommerz. Ihr Anliegen ist es, mit den Werken ihre Mitbürger aus einer somnambulen Hilfslosigkeit zu befreien und ein Bewusstsein für Missstände aufzufächern. Der Regisseur Renaud Barret begleitet seine Protagonisten souverän und interessiert und zeichnet eine Perspektive, den Kunst-Aktienmarkt zu überdenken.

What She Said: The Art of Pauline Kael
USA 2019, Englisch, dokumentarische Form, 95 Min, Internationale Premiere
von Rob Garver, mit Sarah Jessica Parker, Quentin Tarantino, David O. Russell, Camille Paglia, Paul Schrader u.a.

Gabriele Leidloff vergibt für diese Produktion 5 von 5 Sternen:

Pauline Kael (1919-2001) war eine der einflussreichsten Filmkritikerinnen ihrer Zeit. Die gebürtige Kalifornierin veröffentlichte 1953 ihre erste Rezension und schrieb ab 1968 für den „New Yorker“. Sie wurde für ihre Meinungsstärke und Angriffslust gelobt, für ihre bisweilen subjektiven und schonungslosen Kritiken aber auch angegriffen. Kritiker, auf die sie großen Einfluss hatte, verehrten Kael, während sie von Regisseuren, deren Werke sie verriss, gehasst wurde.

Die wunderbar provokante und polarisierende Pauline Kael. Dieser Film ist nicht nur für Cineasten, sondern jeden, der kritische Stimmen durch das aktuelle digitale Grundrauschen nicht mehr hört. Mit ihrem scharfzüngigen Verstand treibt Pauline Kael ein humorvolles Spiel. Sie inszeniert eine Wechselwirkung über den sich steigernden Einfluss der Medien auf die Filmbranche zu einer Zeit, in der diese noch überschaubar und insofern mit umso größerem Interesse wahr- und ernstgenommen wurden. In der assoziativ und thematisch rasant geschnittenen Dokumentation porträtiert Regisseur Rob Graver seine Protagonistin facettenreich und chronologisch im Dialog mit ihren Zeitgenossen.


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